| Stuttgarter Nachrichten - Überangebot an Pflegeplätzen |
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| Sonntag, 14. September 2008 um 14:35 |
Massenhaft Pflegeplätze frei04.06.2008
Trend zu kleineren Häusern mit weniger RenditeStuttgart - Noch vor ein paar Jahren waren Pflegeplätze rar. Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: In der Region Stuttgart ist der Bedarf gedeckt, in mehreren Landkreisen herrscht sogar ein deutliches Überangebot - zahlreiche Betten stehen leer. VON ANNETTE MOHL
"Die Situation hat sich seit vier, fünf Jahren völlig verändert", weiß Inge Hafner von der Altenhilfefachberatung im Kreis Esslingen. Zwar sei es "höchst vertraulich", in welchen Heimen Plätze frei sind - "da gibt es keine Meldepflicht". Es gebe jedoch "garantiert freie Plätze". In der Tat hat der Kreis Esslingen sein Soll mehr als erfüllt: "Wir haben 2010 schon erreicht, was wir erst 2015 müssten", freut sich Landkreissprecher Peter Keck. Dort stehen heute 4057 Pflegeplätze zur Verfügung, 3280 müssen es im Jahr 2010 laut Landespflegeplan sein und je nach Entwicklung zwischen 3930 und 4350 im Jahr 2015. Nachdem das Römerkastell in Denkendorf Ende Juni schließt, gibt es im Kreis Esslingen 63 Heime, jedoch nur vier in kommunaler Trägerschaft. Dort stehen 410 Betten zur Verfügung gegenüber 1476, die private Träger in 31 Einrichtungen vorhalten und 2171 Plätzen, die in 28 Häusern sogenannter freigemeinnütziger Träger angeboten, werden. Das sind Stiftungen oder Organisationen wie das Rote Kreuz. Den Bedarf gibt das Land über Rahmenpläne vor. "Die sind aber nur verbindlich, wenn das Geld vom Land da ist", weiß Dietmar J. Herdes vom Landkreistag. Den Boom in jüngster Zeit beim Bau neuer Pflegeheime führt er auf Renditeerwartungen zurück, "die vor kurzer Zeit noch hoch waren". Besonders der Mittlere Neckarraum sei Anlegern offenbar attraktiv erschienen. Außer in der Region Stuttgart gebe es ein Überangebot auch in landschaftlich reizvollen Gegenden wie dem Schwarzwald-Baar-Kreis, in Freiburg oder Konstanz. Doch die Idee, dass alte Menschen in den letzten Jahren ins Umland in eine schöne Umgebung ziehen, "ist eine sehr vage Vermutung", so Herdes. "Für viele spielt keine Rolle mehr, ob die Umgebung schön ist." Vielmehr seien der Preis und die Erreichbarkeit für Angehörige wichtig. Der Trend zu Kleinstpflegeheimen mit teils nur rund 30 Plätzen habe die Renditeerwartungen schwinden lassen, sagt Herdes. Eigentlich gelten erst Häuser ab 50 oder 60 Plätzen als rentabel. Dies könnte laut Herdes der Grund dafür sein, dass die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen "nur" ihr Soll erreichen, aber keine wesentlichen Überkapazitäten haben: "Dort wird sehr stark auf kleine, dezentrale Häuser und eine ortsnahe Versorgung gesetzt." Inge Hafner findet dagegen, man müsse die Versorgung kreisweit betrachten: "Die meisten Angehörigen sind bereit, drei oder fünf Kilometer weit zu fahren." Demnach müsse nicht jeder Ort sein eigenes Pflegeheim haben. Dennoch sieht sie das Überangebot nicht negativ: "Die Zahl der über 75-Jährigen hat seit 20 Jahren um 60 Prozent zugenommen." In der neuen Bedarfsplanung des Landes für 2015 seien daher die Zahlen erheblich nach oben korrigiert worden. Aber nicht nur die Zahl, auch die Qualität mancher Häuser müsse sich steigern: Beim starken Zuwachs Demenzkranker sollte künftig auf Wohngruppenkonzepte mit alltagsnaher Betreuung gesetzt werden. Mehr als ein Viertel der Heime im Kreis Esslingen verfüge bereits über palliativ geschulte Kräfte: Seit Einführung der Fallpauschalen kämen immer mehr Pflegebedürftige nur noch zum Sterben ins Pflegeheim. |

